.Geschichte der Feuerwehr Schleife

 

  
Handdruckspritze der FFw Schleife

1925 bis 1960
Die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Schleife erfolgte im Jahre 1925 auf Initiative des damaligen Bürgermeisters Mathäus Masula. Dank eines gefundenen Mitgliederverzeichnisses mit Eintrittsdatum der Wehrleute konnte man sich auf  den 19.September 1925 als offiziellen Gründungstag der Wehr einigen. Zur Gründung verfügte die Wehr über 38 Kameraden und eine Handdruckspritze, die bei Einsätzen von einem Pferdegespann gezogen wurde.Das Spritzenhaus befand sich bis 1945 im Kirchgarten zwischen Hauppforte und Kriegerdenkmal. 1927 wurde ein leichter Motorwagen angeschafft und vermutlich auch ein TSA(Tragkraftspritzenanhänger). Diese Gerätschaften wurden in der damaligen Schmiede Balko untergestellt.


Mannschaftsfoto der Feuerwehr Schleife, ca.1928

Bis zum Kriegsbeginn stieg die Anzahl der Kameraden auf 57,  erster Wehrleiter war Heinrich Richter. Durch die Kriegswirren kam die Tätigkeit der Feuerwehr vollständig zum Erliegen. Mindestens 10 aktive Kameraden sind gefallen und kurz vor Ende des Krieges wurde auch das Spritzenhaus schwer in Mitleidenschaft gezogen, so dass es schließlich abgerissen werden mußte. Die Tätigkeit der Feuerwehr begann nach dem Krieg praktisch wieder bei Null. Die verbliebenen Gerätschaften wurden in verschiedenen Gehöften eingelagert und die Versammlungen fanden meist in der Gaststätte Eschenbach statt. Trotz aller Schwierigkeiten konnte man 1950 das 25jährige Jubiläum feiern und die Wehr hatte wieder 27 Mitglieder in ihren Reihen. 1951 stellte die Feuerwehr einen Spielmannszug auf, der sich aber 1960 aufgrund zu geringer Mitgliedsstärke auflöste. Teschnisch gesehen verfügte man nur über den Vorkriegs-TSA, dieser konnte über den Krieg gerettet werden. Bei Einsätzen wurde er per Hand oder Traktor gezogen. Die größten Einsätze dieser Zeit waren die Waldbrände 1947 Ri.Mühlrose und 1951 sowie 1953 im Bereich Großteich. Diese vernichteten mehrere hundert ha Wald. Dazu kamen immer wieder Scheunen-und Stallungsbrände. Im Jahre 1958 wurde ein neuer TSA angeschafft und es konnte mit dem Bau eines neuen Gerätehauses an der Spremberger Straße begonnen werden. 1959 war dann feierliche Einweihung. In diesem Gebäude hat die Feuerwehr bis heute ihr Domizil.

 
Übung, ca 1957, noch mit dem alten TSA

1960 bis 1990
Im Jahre 1960 stellte die Wehr einen umgebauten Steyer-LKW als Mannschaftstransportwagen( MTW) in Dienst. Im Jahre 1962 folgte das erste Löschgruppenfahrzeug LF8 auf Phänomen-Granit27-Basis. Da dieses mit einer TS-8 ausgerüstet war, konnte der TSA gegen einen STA( Schlauchtransportanhänger) ausgetauscht werden. Somit war die Feuerwehr Schleife auf einem für die damalige Zeit guten technischen Stand.


LF 8-TS8 auf Fahrgestell Phänomen-Granit 27 mit STA

Die Mitgliederstärke der Wehr stagnierte trotz der wachsenden Anforderungen, so dass zwischenzeitlich eine Pflichtfeuerwehr ins Leben gerufen werden musste. Diese wurde nach kurzer Zeit wieder abgeschafft und im Laufe der Jahre wuchs die Mitgliederzahl beträchtlich. Seit 1963 gab es eine AG Brandschutz, um Schüler frühzeitig an die Feuerwehr und ihre Aufgaben heranzuführen. Die Zahl der Einsätze stieg, Schwerpunkt bildeten zunehmend Wald- und Ödlandbrände, oftmals verursacht durch Funkenflug der damals eingesetzten Dampfloks oder durch Übungen bzw. Leichtsinn der russischen Soldaten, die in Schleife stationiert waren. 1970 wurde ein neues LF 8 auf LO-Fahrgestell angeschafft. 1979 kam eine fahrbare 12m-Feuerleiter AL-12 dazu. Das Gerätehaus wurde zwischenzeitlich immer wieder um- und ausgebaut, um den wachsenden Platzanforderungen zu genügen.


Mannschaftsfoto der Feuerwehr Schleife aus den Siebzigern

Aufgrund der stetig steigenden Gefahr durch Waldbrände wurde 1986 ein Tanklöschfahrzeug TLF16 auf  W50-Basis in Betrieb genommen. Somit hatte man für den Erstangriff 2000 l Wasser zur Verfügung. Zusätzlich stellte man noch einen SBA( Schaumbildneranhänger) mit 500 l Schaummittel in Dienst. Dieser gehört noch heute zur Technik der Wehr. Als letzte Anschaffung vor der Wende sei hier noch  das fabrikneue LF8-TS8 mit STA , wiederum auf LO-Basis, aus dem Jahre 1988 genannt. So wurde man den Anforderungen einer schnell wachsenden Gemeinde und höheren Einsatzquoten gerecht. Die FFw Schleife hatte mittlerweile den Status einer Stützpunktfeuerwehr und stellte die größte Wehr im Kirchspiel Schleife.

            
TLF 16 mit SBA 4,5                                                          LF 8 - TS 8 mit  STA

In der Zeit von 1960 bis 1990 gab es mehrere Großwaldbrände mit zum Teil katastrophalen Ausmaßen.  Herausragend sind dabei sicherlich die Großbrände 1976 und 1988 zwischen Schleife und Spremberg mit jeweils etwa 800ha Brandfläche. In beiden Fällen stand der Ort Schleife am Rande einer Katastrophe.


*Lausitzer Rundschau vom 16.5.1988

Anmerkung:
Diese Brände entstanden am Rande des „Russenlagers“ (vor 1945 Munitionsanstalt der Wehrmacht) aufgrund
leichtsinnig verkippter heißer Asche. In der damaligen sowjetischen Garnison wurden 50mio Liter Treibstoff für den Kriegsfall gelagert!
Nur dem glücklichen Umstand einer östlichen Windrichtung ist es zu verdanken, dass das Tanklager beide Male von der Feuerwalze verschont blieb und Schleife somit einem Inferno entging.

1990 bis Heute
Mit der Wende begann ein neuer Abschnitt in der Geschichte der Feuerwehr.Die DDR-Strukturen wurden aufgelöst oder umgebaut und auch der Aufgabenbereich der Feuerwehr änderte sich. Die Feuerwehr war jetzt nicht mehr „nur“ für das Löschen von Bränden zuständig, sondern es kam das gesamte Spektrum der technischen Hilfe, vom Verkehrsunfall bis hin zu Sturmschäden und medizinischen Erstmaßnahmen hinzu. Die Einsatzzahlen stiegen auf etwa 60 Einsätze pro Jahr. Auch aus dem Dorfleben ist die Feuerwehr nicht mehr wegzudenken, denkt man nur mal an das Hexenfeuer und das Maibaumstellen.

jh
Ausbildung 1995 im Gelände der ehemaligen Munitionsanstalt (Muna)

 

Im Folgenden sind die wichtigsten Ereignisse seit 1990 chronologisch aufgeführt:

1991 Schaffung der ersten Feuerwehrsatzung der Gemeinde Schleife

1992/93 Grundhafter Um- und Ausbau des Feuerwehrgerätehauses auf heutigen Stand

1993 Fahnenweihe der von Gewerbetreibenden gestifteten Feuerwehrfahne


Fahnenweihe 1993 ( an der Fahne Wehrleiter Frank Loff)

1992 Anschaffung Vorausrüstfahrzeug auf Fahrgestell Isuzu, Schwerpunkt technische Rettung bei Verkehrsunfällen

1992 Anschaffung MTW auf Fahrgestell B1000

                         
  B1000                                                                      Isuzu

1992  Wiederbelebung der alten Bräuche Hexenfeuer und Maibaumstellen, seitdem jährlich am 30.4. und 1.5. von der FFw durchgeführt

 1993 Eröffnung der Rettungsleitstelle Weißwasser und nachfolgend Ausbau des flächendeckenden BOS-Funknetzes

1994 Gründung der Jugendfeuerwehr, hervorgehend aus der AG "Junge Brandschutzhelfer"

1994 Einführung der digitalen Alarmierung und Anschaffung von Funkmeldeempfängern(FME), umgangssprachlich „Pieper“ genannt

 1994 Neuanschaffung LF 16 TS auf Iveco-Magirus-Fahrgestell, Übergabe des „alten“ LF 8 an die FFw Kosel

1994 Neuanschaffung eines speziell für Waldbrandregionen gefertigten Tanklöschfahrzeuges (TLF-W) auf Mercedes-Fahrgestell

 1995 Beginn der Partnerschaft mit der Feuerwehr Rodemack in Frankreich

1997 Anschaffung eines VW-Transporter, nachfolgend Umbau zum Vorausrüstwagen (VRW)

1997 Umrüstung des Isuzu als Einsatzleitwagen(ELW 1), zusätzlich ausgestattet mit notfallmedizinischem Eqipment

1997 Gründung der Gemeindefeuerwehr mit den Ortsteilen Rohne und Mulkwitz, erster Gemeindewehrleiter Frank Loff

2000 Feierlichkeiten "75 Jahre FFw" mit großem Festumzug

2002 Beginn der Partnerschaft mit der Feuerwehr Ellhofen in Baden-Württemberg

2003 Anschaffung eines Mannschaftstransportwagens (MTW) auf VW-T4-Fahrgestell

2004 Schaffung des GSG-Zuges Nord (gefährliche Stoffe und Güter) zusammen mit der Feuerwehr Weißwasser und Vattenfall

 2005 "80 Jahre FFw" und feierliche Vorstellung der Handdruckspritze, die in unzähligen Stunden und mit Liebe zum Detail von Kameraden restauriert wurde

2006 Anschaffung ELW1 auf Fahrgestell Opel Frontera, Außerbetriebnahme des Isuzu

2010 Amtshilfevereinbarung mit der Stadt Spremberg zur gegenseitigen Einsatzunterstützung

2011 Anschaffung eines werksneuen VW-T5-Transporter als MTW

2011  Tausch des LF16-Iveco gegen ein LF16 Mercedes Benz

2013   Anschaffung eines neuen MLF (mittleres Löschfahrzeug) mit TH-Bestückung im Austausch gegen den alten VRW

2014   Beginn des Gerätehaus-Umbaus

2014   Vorraushelfergruppe/First Responder für Rettungsdienst wird in Dienst gestellt

2015    Fertigstellung Umbau Gerätehaus und 90-Jahr-Feier
 
2017   Umbau Fahrzeughalle LF aufgrund Austausch des Fahrzeuges

 

 


TLF-W

In der Zeit von 1990 bis heute gab es eine Vielzahl von Einsätzen, darunter viele Brände und Hilfeleistungen, aber auch schwere Verkehrsunfälle mit oft tragischem Ausgang. Die größten Einsätze waren die Katastrophenwaldbrände 1992 mit weit mehr als 1500ha Brandfläche und 1993 mit nochmals 450ha. Beim Jahrhunderthochwasser 2002 war die Fw Schleife für drei Tage in der Landeshauptstadt Dresden im Katastropheneinsatz. Nicht zu vergessen die sich über 4 Tage hinziehenden Einsätze aufgrund des Orkan „Kyrill“ . Dieser wütete am 18. Januar 2007 und war sicherlich einer der schwersten Stürme, die je in unser Region auftraten.

Im August 2010 kam es zu einem dramatischen Hochwasser an der Neiße. Viele unser Nachbarorte, zum Beispiel Bad Muskau und Köbeln, wurden schwer in Mitleidenschaft gezogen. Die Neiße erreichte einen historischen Höchsstand von 7 meter! Unsere Wehr war bei dieser Katastrophe 2 Tage im Einsatz.
7 Wochen später, im September 2010, wiederholte sich die Katastrophe! Diesmal waren neben der Neiße vor allem der schwarze Schöps und die schwarze Elster betroffen. Die Feuerwehr Schleife war erneut 2 Tage im Hochwassereinsatz.....


MLF (Mittleres Löschfahrzeug)

 

 

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